Naturschutz & Landwirtschaft 

Naturschutz im ökologischen Landbau?!

Seit Jahrtausenden prägt die Landwirtschaft nicht nur die Menschen sondern natürlich auch die Landschaft. So  hat der Mensch schon immer durch seine Nutzung eine  Veränderung der Landschaft hervorgerufen. Diese entwickelte Kulturlandschaft  wird seit den 50iger Jahren jedoch stark überformt und ausgeräumt. Während noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts 60% der Menschen Bauern waren so leben heute noch 3 % der Bevölkerung direkt von der Landwirtschaft. Immer größere Betriebe bewirtschaften immer mehr Fläche. Die Rahmenbedingungen der heutigen Landwirtschaft geben den Landwirten kaum Möglichkeit  diese Strukturen der gewachsenen Agrarlandschaft zu erhalten. Zu diesen Rahmenbedingungen zählen die Agrarpolitik, eine zu geringe Wertschätzung landwirtschaftlicher Arbeit und die damit verbundene Verbrauchermentalität, Lebensmittel müssten billig sein.
Tiere und Pflanzen, die sich über einen Jahrtausende langen Prozess angepasst haben, können sich dieser schnellen Änderung der landwirtschaftlichen Prozesse nicht mehr anpassen und verschwinden aus der Agrarlandschaft trotz vielfältiger Naturschutzprogramme.  
Aber gerade diese Vielfalt bereichert unsere Kulturlandschaft, prägt maßgeblich das Bild der Landwirtschaft beim Verbraucher und steigert den Erholungswert der Landschaft  durch ein sehr attraktives Landschaftsbild, ein nicht zu unterschätzender Faktor, der das Bild der Landwirtschaft beim Verbraucher sicher beeinflussen kann.
Programme, wie z. B. die ungespritzten und ungedüngten Ackerrandstreifen wirken sich durch die Vernetzung von Lebensräumen  (Biotopverbund) positiv auf die Erhöhung der Biodiversität aus. Allerdings sind auch diese Programme nicht in der Lage den Verlust an Biodiversität aufzuhalten zumal sie auch in Thüringen viel zu wenig eingesetzt werden. Hier ist eine Ökologisierung der Landwirtschaft gefordert.
Der ökologische Landbau zeigt in Richtung Naturschutz viele positive Nebeneffekte, die damit honoriert werden, dass er für die Flächen eine Bio-Prämie gezahlt bekommt. Diese positiven Effekte sind z. B.
Feldvögel: - bis zu sechsmal höhere Anzahl von Brutrevieren von Feldvögeln, durch das erhöhte Nahrungsangebot an Insekten bessere Überlebenschance der Jungtiere
Deutlich höhere Anzahl von Schmetterlingsarten und anderen Insekten
Die Anzahl von Bodenmikroorganismen und Bodentieren ist um 85% höher als im konventionellen Landbau
Zwei- dreimal so viele Ackerwildkrautarten – was sich wiederum auf verschiedene Tierarten auswirkt, die von diesen Arten profitieren.
Im extensiven Grünland wirken sich die geringeren Düngergaben positiv auf die Artenvielfalt aus.

Aber auch im ökologischen Landbau gibt es Defizite in naturschutzfachlichen Fragen. Auch hier gibt es die ökonomischen Zwänge, die es dem Landwirt nicht immer ermöglichen den Naturschutz im Auge zu behalten. So macht bei einem dichten Bestand im Getreide und einer perfekte Beikrautregulierung z. B. auch die Schaffung von  Ackerrandstreifen durchaus großen Sinn. Auch im Grünland gibt es viele zusätzliche Naturschutzmaßnahmen, die auf Grund der Wirtschaftlichkeit nicht leicht einzuhalten sind wie Schnitthöhe, Mahdsysteme und  Mahdzeitpunkt. Für solche zusätzlichen Naturschutzaufgaben ist der ökologische Landbau geradezu prädestiniert. Notwendig ist aber auch hier eine Sensibilisierung der Landwirte für diese Anliegen, eine Beratung und die Honorierung von Naturschutzleistungen. Auch ein Bio-Landwirt muss es sich leisten können zusätzliche Naturschutzaufgaben zu übernehmen. Hiermit leistet er
Ob im ökologischen oder im konventionellen Landbau – diese zusätzlichen Naturschutzleistungen, die von der Landwirtschaft erbracht werden, müssen unbedingt auch an die Verbraucherinnen und Verbraucher kommuniziert werden. Dann haben diese die Möglichkeit sich durch ihre bewusste Kaufentscheidung für naturgerecht produzierte Lebensmittel entscheiden. Hier gibt es viele gute Beispiele wie der Mehrwert Naturschutz auch als Marketingstrategie genutzt wird. Und wenn der Landwirt diesen Mehraufwand honoriert bekommt, kann er sich mehr Naturschutz leisten.